Platten-Review: Redlightsflash – For Your Safety

Red Lights Flash waren mal das Aushängeschild der österreichischen Punk- und Hardcoreszene. Als erste internationale Band wurden sie vom Anti-Flag Label AF Records gesignt und veröffentlichten dort 2004 mit “Free” ein absolutes Überalbum. Sie tourten mit Anti-Flag (2003, 2005, 2006), Pipedown (2004), Rise Against und Alexisonfire (2005) und Strike Anywhere (2007), sie spielten Headlinetouren in Spanien, Deutschland, Österreich und UK. Dann wurde es allerdings still um die Band aus dem Wien, was wohl vor allem daran lag, dass kein neues Album kam und die Band sich (abgesehen von einer Tour mit A Wilhelm Scream (2008)) auch live eher rar machte. In der Zwischenzeit drängten die Kollegen von Rentokill nach vorne. Nun gibt es 5 Jahre nach “Free” endlich ein neues Album…

Release Infos:
Redlightsflash – For You Safety
Label: RLF Records
VÖ: 30.10.2009
Format: CD / LP
Tracks: 14
Links:
Schublade: Punk / Hardcore / Pop

… und nichts ist mehr wie es mal war. Das vierte Album der Band ist noch ein größerer Sprung, als der von “And Time Goes By” (2002) zu “Free” (2004). Die Band hat sich nicht weniger vorgenommen, als das Punk-/Hardcore-Genre zu sprengen. Es werden fleißig Popelemente integriert, es soll etwas ganz Neues kreiert werden, das dennoch irgendwie nach Redlightsflash klingt. Ein komplett neuer Korpus um einen bekannten und stabilen (seit 1997 in der gleichen Besetzung) Kern.

Im Ergebnis ist “For Your Safety” ein Album, in das man sich nicht in der ersten Sekunde verliebt, das aber auch so durchdacht klingt, dass man es nicht einfach in die Ecke pfeffern und abhaken kann. Und so gewinnt einen die Scheibe mit jedem Hördurchgang doch Stück für Stück.

“Join The Island” baut sich zunächst noch wie ein Song der direkt an “Free” anschließt auf, doch es wird schnell deutlich, dass die Jungs nicht einfach da weitermachen wo sie aufgehört haben. An der Stelle, an der man eigentlich den wütenden Ausbruch des Songs erwartet hätte, gibt es auf einmal gefühlvollen schon fast flüsternden Gesang (was dann an anderen Stellen des Albums auf die Spitze getrieben wird). Ebenso überraschend ist auch “The Tiniest Bit Of Truth”: In hymnischen Rocksongs (nicht böse gemeint) wie diesem zeigt sich der Weg der Band “Weg vom Punk”.

“The End Of History” erinnert dann doch noch ein wenig mehr an “Free” Zeiten, was insofern verständlich ist, als dass der Song schon ein paar Tage auf dem Buckel hat und Fans der Band bereits seit geraumer Zeit bekannt sein dürfte sein. Dieser Song stellt gewissermaßen den Übergang zwischen beiden Scheiben dar und markiert dabei zugleich den Bruch.

Rockig geht es dann auch in der ersten Single “Cities Burn” zu, zu der es bereits einen Videoclip gibt. Aus meiner Sicht ein eher enttäuschender Song, weil er nicht mit dem kreativen Potenzial des restlichen Album mithalten kann, sondern  (abgesehen von den Chören) eher alltäglich klingt. Erwähenswert ist da schon eher die zweite Single “For Your Safety”, die mit ihrer gefühlvollen Art doch ganz schön Atmosphäre erzeugt (damit keine Missverständnisse aufkommen: keine schnulzige Ballade).

Mit “Devinity needs poverty” gibt es dann tatsächlich auch noch einen hardcorelastigen Song, der jedoch ebenfalls (ich zitiere ausnahmsweise den Waschzettel) eine “Brücke zwischen rüder Punk-Attitüde und elegantem Pop-Charme” schlägt.

Fazit:
Redlightsflash gehen neue Wege, auf die sie garantiert nicht alle Fans mitnehmen werden, die aber auch zu unangepasst sind um auch nur ansatzweise nach Trendanbiederung zu klingen. Das Gegenteil ist der Fall: Handelte es sich bei “Free” schon um ein vertracktes Punk/Hardcore Album, so ist “For Your Safety” wegen der Pop-Einflüsse nicht  leichtere, sondern eher schwerere Kost. Der Kern von Redlightsflash, um den ein neuer Korpus gebastelt wurde, liegt voll zu einem nicht unerheblichen Teil in dieser schweren Verdaulichkeit, auf die man sich Einlassen muss, die sich nicht gleich beim ersten Hören erschließt. Ich persönlich vermute, dass die Scheibe bei mir dauerhaft hinter “Free” rangieren wird, dennoch würde ich niemandem der “open minded” Musik hört vom Reinhören abraten. Wer sich ein erstes Bild machen möchte, kann sich hier gratis eine EP runterladen, auf der die drei Songs “The End Of History”, “Cities Burn” und “For Your Own Safety” zu hören sind.

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