Muff Potter, Übergangsregierung
Bielefeld / Kamp
10.09.2009
Bevor es für die (Wahl-)Münsteraner im Dezember in die endgültig letzte Runde geht, stand noch ein Nachholkonzert im Bielefelder Kamp an. Muff Potter zum letzten Mal in Bielefeld! Da darf man natürlich nicht fehlen, auch wenn ich von den letzten Konzerten doch eher enttäuscht war. Ähnlich sahen das anscheinend auch genug andere: Als ich gegen 21 Uhr das Kamp erreichte war der Laden schon sehr gut gefüllt. Bedeutend besser als beim letzten Bielefeld Auftritt der Jungs. Auch wenn es noch Tickets gab, dürfte das Veranstalterteam von Vibra zufrieden gewesen sein…
Matula aus Hamburg, für einige KonzertbesucherInnen der Hauptgrund der Anwesenheit, hatten leider kurzfristig abgesagt, so dass mit Übergangsregierung um kurz nach 21 Uhr die einzige Supportband los legte. Auch wenn hier die halbe Krusty Crew (in Fairtradmerch.com Shirts) auf der Bühne steht, gibt es es keinen Melodic-Punk amerikanischer Prägung und zwischen den Songs steht der Partyfaktor weniger im Mittelpunkt: es gibt deutschsprachigen Pop-Songs, die die Punkrockherkunft aber auch die langjährige Musikerfahrung der Jungs nicht leugnen. Die Bielefelder konnten mit ihrem doch eher ungewöhnlichen Sound beim recht jungen Publikum durchaus Sympathien ernten. Highlight im Set war für mich “Salbeiteeautomat”, aber wen interessiert das…
Weiter ging es jedenfalls mit Muff Potter. Nach einem Intro und zur typischen Oldschoolwohnzimmerbühnenbeleuchtung legten die Jungs (für mich) überraschender Weise mit einem ruhigen “Alles war schön und nichts tat weh” los. Als dann schon recht früh “Bis zum Mond” kam, regten sich bei mir Hoffnungen nach einer Vielzahl alter Songs, die jedoch später dann doch zum Teil enttäuscht werden sollten. Zwar gab es von der “Boardsteinkantengeschichten” mit “Unkaputtbar” und natürlich “100 Kilo Herz” (inklusive “Kleine Welt) zwei essentielle Songs, mit “Take A Run At The Sunn” fehlte jedoch mein Überhit.
Das Publikum war eigentlich von anfang an da und feierte jeden Song textsicher mit. Richtig warm wurde die Band mit dem wie gesagt sehr jungen Publikum aber doch irgendwie nicht. Muff Potter sind einfach keine Entertainer für Teenies. Dennoch kam der ein oder andere lustige Dialog zustande: “Das ist unser allerletztes Konzert hier in Bielefeld” – “Wie, ihr hört auf?” - “Nein, wir spielen noch ein Lied”. Das Aufsetzen eines Baseballcaps aus dem Publikum und anschließende ziehen diesens wurde zum Running-Gag.
Weitere interessante Songs im Set waren “Elend #16″ und “Wir sitzen so vorm Molotow”. Beendet wurde das reguläre Set mit dem schrecklichen “Steady Fremdkörper”. Lautstark gefordert kam die Band für einen ersten Zugabenblock zurück: “Die Guten”, das fantastische “Den Haag” und mit Abstrichen auch “Alles nur geklaut” konnten überzeugen. Als zweite Zugabe gab es dann zum Glück, wie oben bereits genannt, noch “100 Kilo Herz” inklusive “Kleine Welt” und damit nochmal zwei alte Songs.
Ich weiß: dieses leidige “Ich will alte Songs” nervt. Aber es ist wohl sympthomatisch für diese Band. Muff Potter haben in den letzten Jahen durchaus eine große Zahl junger Fans gewonnen. Mit den neuen Songs (eine Ausnahme ist das aktuelle Album “Gute Aussicht”) und der Fixierung der Live-Sets auf diese haben sie jedoch ihre alten Fans fast komplett vergrault. Nur noch vereinzelt waren am Rande bekannte (ältere) Gesichter zu erkennen, die sehnsüchtig und aus voller Inbrunst die alten Hits mitgesungen haben. Die meisten sind schon garnicht mehr gekommen… Ich denke ich werde mir auch das Abschiedskonzert in Münster noch angucken..