Konzert-Review: Rise Against, Strike Anywhere, Rentokill

Rise Against, Strike Anywhere, Rentokill
Bielefeld / Ringlokschuppen (ausverkauft!)
08.02.2009

Nach der Taste Of Chaos Tour 2005 und ihrer Headline-Show 2007 kehrten Rise Against zum dritten Mal in den Bielefelder Ringlokschuppen zurück. Bereits Wochen vorher war die große Halle ausverkauft und vor der Halle versuchten Schwarzmarkthändler ihre Tickets für 50 € abzusetzen. Ich freute mich im Vergleich zum Konzert vor zwei Jahren diesmal auch riesig auf die Vorbands: Strike Anywhere und Rentokill sind doch deutlich interessanter als The Bronx und die Cancer Bats.

Die sympathischen Österreicher von Rentokill erleben zur Zeit wohl den absoluten Höhepunkt ihrer bisherigen Bandgeschichte. Standen sie aufgrund der gemeinsamen Split bisher oftmals ein wenig im Schatten ihrer (zumindest hierzulande) etwas bekannteren Kumpels von Red Lights Flash, haben sie sich im letzten Jahr doch tatsächlich zum Gesprächsthema entwickelt. Dazu dürften nicht zuletzt das 2007er Album „Antichorus“ sowie die gelungenen Supportshows für Propagandhi im letzten Jahr beigetragen haben. Und nun geht es Schlag auf Schlag weiter: Erst die ganz großen Hallen im Vorprogramm von Rise Against, anschließend geht es einen Monat durch Kanada und dann zwei Wochen durch den UK, bevor wieder Shows hier anstehen. Puh!

Nun aber zur Show: Rentokill legten ein rundes und gelungenes Set vor, in dem neben Songs vom aktuellen Album natürlich auch Platz für die neue EP „The O.S.E“ war. Für Freude sorgte ebenfalls der gute Sound. Im Vergleich zur Propagandhi-Support-Show in Bochum fiel mir auf, dass die Band bedeutend weniger auf (politische) Ansagen gesetzt hat und ihre Bühnenshow insgesamt professionalisiert hat. Lediglich in der „dahinten ist unser Merchstand“-Ansage ging es um die Bedeutung von Fairtrade-Produkten und C02-armer Produktion. Wo wir gerade bei Thema Ressourcensparen sind: Gut, dass für die aktuelle EP eine 12″-Platte verbraten wird und es gratis dazu nochmal die gleichen Songs auf einer CD gibt. Aber lassen wir dieser Sticheleien. Insgesamt auf jeden Fall eine gute Show von einer sympathischen Band mit Gespür für wichtige Themen und den passenden Sound, die auch vom Publikum honoriert wurde. War mir das ansagentechnisch in Bochum ein wenig viel (Stichwort; „preaching the converted“), so war es diesmal ein bißchen zu wenig. Nächstes mal vielleicht der gesunde Mittelweg.

Weiter ging es mit niemand geringerem als Strike Anywhere. Die melodische Hardcore Band aus Richmond / Virginia legte mit ihrem (relativ) neuen Gitarristen los und knüppelte für den Geschmack vieler KonzertbesucherInnen doch offensichtlich ein bißchen zu viel. Jedenfalls waren die Publikumsreaktionen weniger euphorisch als von mir erwartet. Das machte jedoch wenig, denn mir Gefiel es trotzdem. Sänger Thomas Barnett hüpfte wie ein Flummi über die Bühne und machte es damit der Fotografenschar mal wieder schwer. Im Set war Platz für ältere und aktuelle Songs, aber auch komplett neue Nummern. Während das aktuelle Album doch sehr melodisch ausgefallen ist, deuteten die neuen Songs teilweise wieder in eine härtere Richtung, aber auch an Singalong-Parts fehlte es natürlich nicht. Alles im allem vielversprechend. Das Publikum zeigte sich (wie bereits bei Rentokill) in allerbester Stadion-Rock-Mitklatsch-Stimmung und war entsprechend bei einigen der krassen Tempowechsel der Band überrumpelt, was durchaus lustig aussah, wenn einige nach einem kurzen Mitklatschpart wirklich noch anschließenden Geknüppel versuchten weiter mitzuklatschen.

Dann wurde umgebaut für Rise Against. Und an dem dann folgenden Auftritt scheiden sich bis heute die Geister in Ostwestfalens Metropole.

Am Ende des Intro wurde ein riesiges Banner mit dem fetten Schriftzug „Rise“ über die ganze Bühnenrückwand entrollt. Das Publikum war natürlich sofort da und es ging mit „Drones“ vom Majordebut „The Sufferer & The Witness“ los. Dann folgte mit „Give It All“ und „State Of The Union“ direkt ein Feuerwerk an älteren Songs. Insofern ein überraschender und von der Songauswahl her sehr überzeugender Auftakt. Mit „Ready To Fall“ folgte ein weiterer Hit, bevor mit „Re-education (Through labor)“ die erste Single vom aktuellen Album „Appeal To Reason“ auf der Setlist stand. Die Meute war die ganze Zeit voll da und feierte das Quartett ab, für ein Hallenkonzert gab es durchaus viel Bewegung vor der Bühne. Die Tendenz ältere Songs nicht zugunsten des neuen Albums zu vernachlässigen zog sich dabei positiv durch das Gesamtset. Nach  13 Songs und zwei Bannerwechseln an der Bühnenrückwand endete das reguläre Set mit „The good left undone“. Für die Zugabe gab es dann nochmal ein neues Banner und zunächst einmal zwei Akustiksongs: „Hero Of War“ und „Swing Life Away“. Top! Mit „Audience Of One“ und „Prayer Of The Refugee“ endete dann auch der Zugabenteil nach insgesamt ca. einer Stunde und 15 Minuten Spielzeit.

Das klingt ja alles von der Setlist her erstmal ganz gut und löblich, dennoch gab es nach dem Konzert einige enttäuschte Gesichter zu bestaunen. In der Kritik standen dabei vor allem Bühnenshow und -präsenz der Band, die sich zu sehr unter dem Begriff „Rockstarscheiße“ zusammen fassen ließen. So hüpfte Sänger Tim McIlrath z.B. für den Geschmack einiger doch etwas zu pathetisch gestikulierend auf den extra dafür bereitgestellten Poser-Podesten rum. Kaum Ansagen, das insgesamt kurze Set, bedingungslos ergebene Kiddies sowie die Lightshow und die 3 Riesenbanner trugen einen weiteren Teil zu diesem Bild bei, das sich in Aussagen wie „Die Band hat ja einfach garnichts rübergebracht, da hätte ich auch genauso gut zu Limp Bizkit gehen können“ manifestierte.

Insgesamt also ein fader Beigeschmack bei einer ansonsten auch für Leute die nicht so auf das neue Album stehen gelungenen Songsauswahl. Über die Vorbands lässt sich hingegen nicht streiten: top!

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