„DIY or die“ Teil 2: Yo-Yo Records

Weiter geht unsere „DIY or die“-Reihe mit Yo-Yo Records aus Berlin. Im Interview mit Labelmacher Jan könnt ihr mehr über seine musikalische Sozialisation, den Hintergrund des Labelnamens und -logos sowie über die Geschichte und Veröffentlichungen des Labels erfahren.

Label Infos:

Yo-Yo Records
Gründungsjahr: 1998
Location: Berlin
Schublade: Hardcore/Punk/Folk
Homepage: http://www.yoyorecords.de/

SL: Stell unseren LerserInnen doch mal kurz Yo-Yo Records vor (Stadt, Gründungsjahr, Anzahl der bisherigen Releases, etc.)
Jan: Hallo, ich bin jan. ich bringe seit ein paar jahren hin und wieder platten raus. Angefangen hat das mal in süddeutschland. Damals noch zusammen mit meiner guten freundin yvonne. Mittlerweile bin ich nach berlin gezogen und yvonne hatte auf den ganzen stress keine lust mehr und ist nicht mehr so dabei wie früher. Ich glaube die letzte platte war nummer 28. wobei die letzten 20 platten in den letzten drei jahren veröffentlicht worden sind und wir die sieben jahre davor nur circa eine platte pro jahr gemacht haben.

SL: Was für Releases macht ihr (Stil, Format, Auflage, etc.)?
Jan: Also angefangen hat das als reines vinyl label. Mittlerweise mache ich auch cds, wenn es sich anbietet. Meistest bewegt sich das so zwischen 500 und 1000 platten bei der erstpressung, also ziemlich überschaubar. Musikalisch ist das recht unterschiedliches zeug. Von folk zu hardcore, wobei ich in den letzten jahren doch viel melodischen punkrock rausgebracht habe.

SL: Wie bist du überhaupt zu Punkrock gekommen? Welche Bands haben dich beeinflußt/inspiriert? Welches sind deine absoluten Lieblingsplatten?
Jan: In der fünften klasse habe ich von meinem onkel mal ein tape bekommen. Da waren black flag, minutemen, d.o.a., jingo de lunch und so zeug drauf. Ich habe zu der zeit eher judas priest und manowar gehört, aber irgendwie hat mir das tape auch gefallen. Dann habe ich eine ganz normale deutschpunk sozialisation durchlaufen. Bin dann auf bands wie propagandhi und i spy gestossen. Dann habe ich mich auch sehr für die alten lookout! und end 90er east bay sachen interessiert. So crimpshrine, fifteen, jawbreaker. Von da war es über avail und born against nicht weit zu den ganzen ebullition sachen. Wichtig war für mich auch die ganze hardcore schiene, von minor threat und embrace über chain of strength bis zu chokehold und trial. Und ja nicht zu vergessen hot water music bzw. noch viel wichtiger Leatherface.

SL:Wie bist du auf die Idee gekommen ein Label zu gründen? Wie ging es dann mit Yo-Yo Records tatsächlich los?
Jan: Das ist eigentlich schnell erzählt. Ich komme aus einem 700 seelen dorf in süddeutschland. Die nächste stadt war 20 km entfernt. Es gab einfach nicht genügend andere punks mit denen ich z.B. musik machen konnte. da lag es nahe mal darüber nachzudenken eine platte zu veröffentlichen, da bauchst du nur ein oder zwei leute dazu. Dann habe ich eben etwas geld zusammen gespart und habe die erste single gemacht.

SL: Was gibt’s zu eurem Namen und eurem Logo zu erzählen?
Jan: Als ich 16 war, haben irgendwie einige meiner freunde angefangen yo-yo zu spielen. So mit tricks und so. ich habe das auch ganz gerne gespielt also habe ich das label so genannt. Auf dem logo ist übrigens ein holländischer seemann zu sehen der gerade nach indonesien fährt und von dort das yo-yo mit nach europa bringt. Dort wurde es als waffe verwendet und in europa war es dann ein kinderspielzeug.

SL: Wer verbirgt sich alles hinter Yo-Yo Records oder machst du die Sache allein?
Jan: Wie gesagt mache ich zwischenzeitlich alles alleine. Natürlich gibt es immer wieder leute, die mir bei einzelnen dingen helfen sonst würde das ja nicht funktionieren. Ich bringe ja nicht nur platten raus, sondern buche auch touren und mache hin und wieder konzerte.

SL: Wie sieht es mit dem Selbstverständnis aus? Was verbindest du mit dem „DIY“-Gedanken?
Jan: Es ist ja schwer da nicht in plattitüden zu verfallen. Also zu aller erst ist diy für mich ein kampfbegriff mit dem leute versuchen platten zu verkaufen. Genauso wie das attribut „politisch“ wird der begriff „diy“ verwendet um der musik um die es geht eine bestimmte credibility zu verschaffen. Was diese begriffe dann genau bedeuten sollen muss dann gar nicht mehr genau benannt werden. Genauso wenig kann ich mich mit der vorstellung von diy als romantisierte selbsausbeutung anfreunden. Trotzdem verbinde ich natürlich gewisse vorstellung mit dem begriff. klar macht es mir spass cover selber zu drucken, platten einzutüten, unmengen an geld und energie in musik zu stecken etc. sonst würde ich das ja nicht machen.

SL: Wonach entscheidest du, welche Bands du veröffentlichst? Suchst du gezielt, wartest du auf Bewerbungen?
Jan: Das läuft ganz unterschiedlich ab. Mittlerweile habe ich genug bands und pläne um die nächsten paar jahre platten rauszubringen, vorausgesetzt ich bekomme das finanziert. Mir sind natürlich die menschen in den bands wichtig, was bei der band rüberkommt etc. also alles in allem eine sehr subjektive entscheidung von mir.

SL: Was ist dein persönliches Lieblingsrelease? Warum?
Jan: Das ist jetzt etwas doof zu sagen aber musikalisch ist das die I Farm „sincerely, robots“! Eine total unterbewertete platte. Ich bin mit dem artwork da nicht zufrieden, bzw. war es noch nie aber die platte kann ich mir jeden tag anhören. Sonst finde ich natürlich sehr viele sachen gut. Es gibt natürlich auch ein, zwei sachen, die ich von meiner heutigen warte nicht mehr rausbringen würde.

SL: Wie läuft der „geschäftliche Teil“? Läuft das immer entspannt mit Bands und anderen Labeln oder gab es schonmal Probleme? Kriegst du die Releases immer gut finanziert? Verkaufst du genug Platten? Mußt du am Ende draufzahlen?
Jan: Platten zu veröffentlichen, v.a. vinyl ist immer ein verlust geschäft! Ich bin ein schlechter geschäftsmann, aber immerhin bin ich sparsam, deshalb war das mit dem geld nie so ein riesen problem. Ich fahre ja auch viele touren und bin dann mit vielen bands, mit denen ich platten gemacht habe unterwegs. Das sind ja immer extremsituationen und da kommt es schon vor, dass die und ich feststellen, dass es persönlich einfach nicht so klappt. Natürlich gab es da in den jahren enttäuschungen.

SL: Von welcher Band würdest du gerne Mal eine Scheibe veröffentlichen?
Jan: Ich hätte gerne 10 jahre früher mit dem label angefangen, dann hätte ich ein paar mehr chancen gehabt gute bands zu veröffentlichen.

SL: Dein Statement zur aktuellen Situation in der Musikbranche. Sind die Label, die Bands, das Internet oder die Fans und ihre mangelnde Wertschätzung Schuld an der Krise?

Jan: Nun ja, ich bekomme da nichts von mit. Musikbranche? Ich staple meine platten unter meinem bett und mein büro ist mein total überfüllter tisch im gleichen zimmer.

SL: Wie sehen deine Pläne mit Yo-Yo Records aus? Möchtest du die ganze Sache noch weiter ausbauen?
Jan: Es gab immer wieder die möglichkeit das label anders aufzuziehen aber ich habe mich genau dafür entscheiden wie es jetzt läuft. Alles andere würde mir auch keinen spass machen und an so beispielen wie sainte catherines, die dann zu fat wreck gegangen sind, siehst du ja auch, dass es nicht unbedingt besser wird nur weil sich das drumherum angeblich professionalisiert.

SL: Welche Release stehen als nächstes an? Freust du dich auf irgendwas ganz besonders?
Jan: jetzt muss ich so was sagen wie: da stehen wieder mal super releases an, alle noch viel besser als alles anderen!!!! Nun ja, also demnächst kommt das debut album von Shorebirds, die neue band von Matt von Latterman und Chris von Jawbreaker. Dann gibt es ein paar splits. Zum einen eine mit Attack! Vipers! und Young Livers, zum anderen eine mit Down & Outs und Offshore Radio. Lights Out! wollen auch nochmal eine platte aufnehmen und im dezember auch auf tour gehen. Diesen Herbst steht noch eine Tour mit Young Livers an und nächstes Jahr dann Sainte Catherines und Bridge & Tunnel.

SL: Was machst du, wenn du nicht gerade mit dem Label beschäftigt bist (beruflich, Freizeit, etc.)?
Jan: Ach ich habe so typische Hobbys aus den 80ern wie Lesen und faulenzen. Mittlerweile habe ich ein etwas geregelteres leben und arbeite für eine jugendorganisation. Sonst mache ich das gleiche wie vor 10 jahren. Ich hänge in irgendwelchen gruppen rum, gehe zu vorträgen und hin und wieder auf konzerte.

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