Platten-Review: Talk Radio Talk – Beyond these Lines

Talk Radio Talk… eine Band die es mir von Anfang an leicht gemacht hat sie zu mögen. Artwork ist der Hammer (dazu später mehr) und die Musik ist so abwechslungsreich, dass man die CD getrost für die nächsten paar Wochen nicht aus der Rotation nehmen muss ohne dass es langweilig wird.

Release Infos:
Label: Swell Creek Records
VÖ: 18.04.08
Format: CD
Tracks: 13
Links: www.talkradiotalk.de
Schublade: HC / Screamo / other

Hier werden fast schon liebevoll entworfene Melodiebögen von brutalen Shouts gebrochen, was allerdings nie aufgesetzt klingt. Der Frontmann schafft es den Gitarrenlinien mit seiner Stimme so zu schmeicheln, dass sie selbst bei den ruhigsten Zwischenteilen nie deplaziert wirkt. Das muss man auch erstmal schaffen. So bügelt sich die CD durch und elektronische Frickeleien klingen innerhalb des Banduniversums ebenso natürlich wie die Tempiwechsel, die einfach so zwischengestreut werden. Das ganze an sich ist schon extrem kurzweilig anzuhören.

An zehnter Stelle kommt dann allerdings kurz vor Ende noch die fast schon vermisste (weil obligatorische) instrumentale Impro-Ballade und auch hier schafft es der Sechser um Manuel Ploetzky wieder mich von meiner angeborenen HC-Skepsis zu befreien. Der Track klettert eine Intensitätsleiter nach oben um am ende nicht einfach stumpf abzubrechen um dem nächsten Track Platz zu machen, sondern sie lassen einfach die Ballade in einen ca. 1 minütigen Prügelsong übergehen, wobei Prügelsong im besten Sinne zu verstehen ist. Fast schon sieht man die Band beim 10. Song ohne Sänger auf der Bühne stehen, nur um ihn dann zum Mikro stürmen zu sehen und einen Auftritt mit fiesem “auf-die-fresse-gekloppe” zu beginnen noch bevor irgendwer Zeit hatte seinen Nachbarn zu fragen, wer da jetzt eigentlich genau auf der Bühne steht. Großartig…

Ganz zum Schluss wollen sie’s dann nochmal wissen und beenden ihre Scheibe mit Chorgesang, der von einer Orgel getragen das Geschrei einfach in den Hintergrund treten lässt. Das ganze schwillt dann in ein
kakophonisches klanggebilde und endet stilecht mit einigen Herzschlägen.

Artworktechnisch habe ich nichts zu meckern… das ist mir noch nie passiert. Aber die Jungs scheinen einen verdammt einfallsreichen Grafiker an der Hand zu haben, dann das Cover und das Booklet sind
einfach herrausragend. Das Package kommt als nettes dreiseitiges Digipack daher mit schönem Booklet und der Stil liegt irgendwo zwischen “Herr der Ringe” und “Anatomie///Flugzeug-Blaupausen” das ganze in vergilbten Farbtönen auf alt getrimmt und das Cover in einem mosigen grün. Es lohnt sich schon fast die CD zu kaufen nur um das Artwork im Schrank stehen zu haben…

Anspieltipps: Album mindestens 3mal komplett durchhören und der Band ne Email mit der Nachricht:”Danke, dass es euch gibt” schreiben.

Fazit:
Talk Radio Talk haben mit “Beyond these Lines” ein Meisterwerk geschaffen, dass sich dem Hörer nicht aud den ersten Blick erschließen wird, sondern erst nach und nach seine detailverliebten Geheimnisse offenbart. Absolut Hörenswert!

love /// who killed josephine

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